Die Erholung nach dem Lockdown wird ein Drahtseilakt

Photo Credit: Mareen Fischinger

Der Schock, den die Covid-19-Pandemie der Weltwirtschaft zugefügt hast, ist beispiellos. Aussagen zur zukünftigen wirtschaftichen Entwicklung zu treffen, war noch nie so schwierig. Die OECD ist deshalb in ihrem aktuellen Wirtschaftsausblick den ungewöhnlichen Weg gegangen, nicht nur ein Zukunftszenario zu präsentieren, sondern zwei. Das erste Szenario basiert auf der Annahme, dass das Coronavirus kontrolliert werden kann und es zu keiner zweiten Infektionswelle kommt. Das andere Szenario geht von einer zweiten Infektionswelle in der zweiten Jahreshälfte 2020 und einem zweiten Lockdown aus. Welche Folgen diese beiden Szenarien für die globale Wirtschaft, den EU-Raum und insbesondere für die Entwicklung in Deutschland, Österreich und der Schweiz hätten, war Thema einer digitalen Pressekonferenz und Paneldiskussion des OECD Berlin Centre am 10. Juni 2020.

Den OECD-Wirtschaftsausblick präsentierten:

Isabell Koske | OECD-Wirtschaftsabteilung 

Alexandra Effenberger |  OECD-Wirtschaftsabteilung

Dennis Dlugosch | OECD-Wirtschaftsabteilung

Im Anschluss diskutierten:

Gabriel Felbermayr | Institut für Weltwirtschaft und Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Philipp Steinberg | Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Jan-Egbert Sturm | KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich

Moderation: Nicola Brandt, OECD Berlin Centre

Zu Beginn zeichnete Isabell Koske den dramatischen Einbruch der globalen Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal 2020 nach. Alle Länder, für die die OECD Prognosen erstellt, befinden sich in einer Rezession, einige mit zweistelligem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes. Dass die Auswirkungen innerhalb Europas sich deutlich unterscheiden und weniger reiche Staaten im Süden und Osten teils überproportional wirtschaftlich betroffen sind, liegt Isabell Koske zufolge unter anderem daran, dass hier teils sehr strenge Eindämmungsmaßnahmen notwendig waren und diese Länder andererseits stark unter dem Einbruch bestimmter Branchen zu leiden hatten, wie etwa des Tourismus und der Autoindustrie.

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Wie Alexandra Effenberger und Dennis Dlugosch im Anschluss zeigten, sind Deutschland, Österreich und die Schweiz in Europa in der Anfangsphase der Krise im Vergleich deutlich geringer betroffen, auch durch die hier recht hohen Kapazitäten im Gesundheitswesen und die umfangreichen diagnostischen Tests. Die Mobilität blieb hier über Monate deutlich weniger eingeschränkt als in anderen Ländern Europas. Gleichzeitig konnten durch massive Ausweitung der Kurzarbeit und ähnliche Programme viele Arbeitsplätze erhalten bleiben. Alle drei Länder sind jedoch stark von der Schwäche ihrer Handelspartner betroffen und auch der Einbruch des Tourismus wirke sich stark aus. Selbst wenn das günstigere Szenario eintrifft und keine zweite Infektionswelle aufkommt, dürfte sich die Wirtschaft nur langsam erholen und frühestens Ende 2021 annähernd Vorkrisenniveau erreichen.

Problematisch ist aus Sicht der OECD, dass in Deutschland, Österreich und der Schweiz gerade die für die Wirtschaft so wichtigen kleinen und mittleren Unternehmen im Bereich digitaler Technologien und digitaler Kenntnisse im OECD-Vergleich zurückliegen. Hier bestehe in allen drei Ländern noch Nachholbedarf.

In Bezug auf die politischen Handlungsoptionen lobte Isabell Koske die schnellen und schlagkräftigen Maßnahmen der EZB, um Bankkredite und Liquidität zu erhalten und eine finanzielle Fragmentierung zu vermeiden. Diese Maßnahmen sollten aufrecht erhalten werden.

Auf nationaler Ebene sei vor allem entscheidend, die Gesundheitssysteme weiter zu stärken, diagnostische Tests in großem Umfang durchzuführen und Infektionsketten nachzuvollziehen. Je länger die Krise andauere, desto wichtiger sei es, Unternehmen bei ihrer Umstrukturierung zu helfen und es möglich zu machen, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch Weiterbildungs- und Vermittlungsmaßnahmen schneller in andere Sektoren wechseln.

Die Präsentation von Isabell Koske, Alexandra Effenberger und Dennis Dlugosch: