Tête-à-Tête mit Maja Göpel

Im OECD Tête-à-Tête nehmen wir Sie mit auf ein ungezwungenes Gespräch mit spannenden Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Forschung und Gesellschaft. Machen Sie sich einen Tee, lehnen Sie sich zurück und seien Sie eine halbe Stunde lang dabei!

Am 25. Oktober war die Transformationswissenschaftlerin und Politikökonomin Maja Göpel virtuell zu Gast bei uns im OECD Berlin Centre.

Hier zum Nachverfolgen:

Kernpunkte des Gesprächs:

Ziele und Strategien für die Erreichung einer nachhaltigen Wirtschaftsweise hat Deutschland bereits formuliert, zum Beispiel in der Nachhaltigkeitsstrategie. Jetzt kommt es darauf an, diese auch in die Tat umzusetzen. Dazu bedarf es verschiedener Maßnahmen:

  • Breiter Wohlfahrtsansatz. Dieser sollte neben wirtschaftlichem Wohlstand und Gerechtigkeit auch ökologische Nachhaltigkeit umfassen und auf einem Indikatorensystem basieren, das Wirkungsanalysen und Zielerreichungskontrolle für die Politik ermöglicht. Anhaltspunkte dafür bieten internationale Arbeiten wie die Better-Life-Initiative der OECD oder auch „Gut Leben in Deutschland“. Wichtig ist jetzt, dass solche breiten Wohlfahrtsansätze auch tatsächlich zentraler Maßstab für Planung und Überwachung von Politik werden.
  • Governance der Klima- und Nachhaltigkeitspolitik. Eine klare politische Führung und kohärente Zusammenarbeit aller Ministerien und Regierungsebenen, Transparenz und Kontrolle müssen sichergestellt werden. Eine Einigung der künftigen Regierung auf Institutionen und einen entsprechenden Umsetzungsprozess sind ebenso wichtig wie die formulierten Ziele und politischen Pläne.
  • Transparenz über Umweltkosten in den Unternehmensbilanzen und der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Eine Bepreisung von Umweltkosten, etwa von Emissionen, ist dabei ein wichtiger Ansatzpunkt. Nur wenn sich Unternehmen sicher sein können, dass sie und ihre Konkurrenten den Einsatz von Umweltgütern als Kosten zu spüren bekommen, können sie durch Investitionen in Nachhaltigkeit und Innovationen auf wirtschaftlichen Erfolg hoffen. Ansonsten bleibt es weiter lohnend, auf Technologien zu setzen, die nicht nachhaltig sind.
  • Multilaterale Zusammenarbeit. In einer globalen Wirtschaft muss Transparenz von Umweltkosten für alle gleichermaßen gelten, damit es nicht zu Wettbewerbsverzerrungen kommt und alle Länder zum Klimaschutz beitragen. Wenn Ländergruppen wie die EU etwa mit CO2-Bepreisung voranschreiten, kann ein Klimaklub dabei helfen, sich mit anderen Ländergruppen zu koordinieren. Das beinhaltet die Vereinbarung verbindlicher Ziele und Methoden zur Überprüfung der Zielerreichung. Wer mitmacht, hat Vorteile, etwa durch Teilnahme an einem gemeinsamen Markt, innerhalb dessen Güter und Dienstleistungen ohne Abgaben, die sich an ihrem CO2-Gehalt orientieren, Grenzen überschreiten können. Internationale Organisationen wie die OECD können dabei helfen, den Verhandlungsprozess zu strukturieren und gemeinsame Methoden zur Messung des CO2-Gehalts von Produktionsprozessen zu ermöglichen.

Zum Weiterlesen:

Better Life Initiative: Measuring Well-Being and Progress.  Übersichtsseite der OECD Initiative zur Messung von Wohlbefinden. (26. Oktober 2021)

Welt im Wandel. Jahresbericht des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) als eine der ersten deutschen Initiativen in der Transformationswissenschaft. (April 2011)

Mehr Mut, Deutschland! Webseite Deutschlands Zukunftsweisen für einen systemischen Ansatz der Transformation unserer Gesellschaft. (26. Oktober 2021)

Thinking in Systems. Internationaler Bestseller von Donella Meadows zum Einstieg in systematisches Denken. (03. Dezember 2008)

The Just Transition Mechanism. Übersichtsseite der Initiativen der Europäischen Kommission unter dem Stichwort einer fairen Transformation. (26. Oktober 2021)