Tête-à-Tête mit Verhaltensökonomin Iris Bohnet

Im OECD Tête-à-Tête nehmen wir Sie mit auf ein ungezwungenes Gespräch mit spannenden Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Forschung und Gesellschaft. Machen Sie sich einen Tee, lehnen Sie sich zurück und seien Sie eine halbe Stunde lang dabei!

Am 13. Oktober traf sich die Harvard Professorin für Verhaltensökonomie und Buchautorin Iris Bohnet zum digitalen Tête-à-Tête mit Nicola Brandt im OECD Berlin Centre.

Die Harvard Professorin Iris Bohnet verbindet Erkenntnisse aus Ökonomie, Neuroökonomie und Psychologie, um aufzudecken wie unterbewusste „Entscheidungsverzerrer“, allen voran der Gender Bias, unsere Urteilskraft manipulieren.

Ein Beispiel bietet die Blind Auditions Praxis im amerikanischen Orchester. Jahrzehntelang lag dort der Frauenanteil bei fünf Prozent. Die Dirigenten waren dennoch von ihrer Objektivität bei der Auswahl von Musizierenden überzeugt. Nachdem beim Vorspielen ein Vorhang als visuelle Trennung zwischen der Jury und Bewerber:innen eingeführt wurde, erhöhte sich der Anteil an Frauen auf 40 Prozent.

Mit diesem Experiment beginnt auch Iris Bohnets 2016 erschienenes Buch „What Works: Gender Equality by Design“, in welchem sie evidenzbasierte Lösungsansätze in Form von Handlungsempfehlungen und Verhaltensdesigns bietet, um die Benachteiligung von Frauen in Wirtschaft, Politik und Arbeitswelt zu überwinden.

Im Tête-à-Tête beantwortet Iris Bohnet Fragen zum Ursprung der strukturellen Benachteiligung von Frauen und ab welchem Alter Förderungsmaßnahmen zur Gleichstellung der Geschlechter ansetzen sollten. So sind Kinder bereits zwischen dem fünften und sechsten Lebensjahr durch Alltagseindrücke aus Märchen, Fernsehen und direkter Umgebung mit Vorurteilen behaftet. Kleine Veränderungen im Verhaltensdesign zeigen jedoch einen großen Effekt in Richtung Gleichstellung. Allein die Umbenennung eines Geometrietests in einen Zeichentest lässt Mädchen durchschnittlich besser abschneiden.

Bohnet schildert ihre Perspektive zum Stand des Gender Bias im deutschsprachigen Raum und vergleicht ihn mit dem skandinavischen Vorbild. Ein sich besonders positiv auswirkender Faktor auf Gleichstellung ist der Umfang der Sozialversicherungen und fundamentiert somit die Vorreiterposition der skandinavischen Länder.

Ihr abschließender Punkt: Gleichberechtigung in der Arbeitswelt ist nicht erreichbar ohne Gleichberechtigung zu Hause.

Hier zum Nachverfolgen:

Zum Weiterlesen:

OECD Datenportal mit Statistiken zum Stand der Gleichstellung von Männern und Frauen in OECD Ländern

Harvard Profil von Iris Bohnet