#Stadtgespräch 4: Was ist der Nutzen internationaler Abkommen und Leitbilder in der Stadtentwicklung?

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Mehr als die Hälfte aller Menschen lebt heute in Städten, im Jahr 2050 werden es sogar zwei von drei Menschen sein. Diese rasante Urbanisierung hat enorme Folgen für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt. Sie muss politisch klug gestaltet werden. Internationale Abkommen und Leitbilder wie die New Urban Agenda und die Neue Leipzig Charta wollen Stadtentwicklung inklusiver, partizipatorischer und umweltfreundlicher machen. Aber wie sieht das in der Umsetzung aus?

Das war Thema des gemeinsamen Stadtgesprächs des OECD Berlin Centre, der Cities Alliance und dem IHS der Erasmus Universität Rotterdam am 1. April 2021.

Input:

Alexander Jachnow | Leiter des Kompetenzfelds „Urbane Strategien und Politiken“  am Institute of Housing and Urban Development Studies (IHS) an der Erasmus-Universität Rotterdam

Diskussion mit:

Rüdiger Ahrend | Abteilungsleiter am OECD-Zentrum für Unternehmertum, KMU, Regionen und Städte

Sabine Drees | Referentin für Auslandsangelegenheiten beim Deutschen Städtetag

Tina Silbernagl | Projektleiterin bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)

Oliver Weigel | Referatsleiter für Stadtentwicklungspolitik im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat

Moderation:

Rene Peter Hohmann | Programmdirektor bei der Cities Alliance

Zentrale Ergebnisse der Diskussion:

  • Die New Urban Agenda und die Neue Leipzig Charta sind der Versuch, einen strategischen Rahmen für Stadtentwicklung zu definieren, der sich flexibel lokal umsetzen lässt. Sie sind nicht verbindlich, geben aber durch ihre Werte und Visionen einen wichtigen Orientierungsrahmen. Für viele Akteure sind sie wegweisend – auch außerhalb der Unterzeichnerländer.
  • Damit diese Orientierungsrahmen wirklichen Fortschritt anstoßen, braucht es einerseits Überzeugungsarbeit in Politik und Gesellschaft und andererseits eine Politik, die die Kommunen stärkt, damit sie umsetzen können, was im lokalen Kontext sinnvoll ist.
  • Die Anforderungen an Städte haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Städte spielen eine extrem wichtige Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels und müssen sich entsprechend anpassen. Nachhaltigkeits- und Digitalisierungsstrategien sind deshalb wichtige Elemente der New Urban Agenda und Neuen Leipzig Charta.
  • In der EU ist Stadtentwicklung Sache der Mitgliedsstaaten. Dennoch haben viele Länder keine kohärente nationale Agenda zur Stadtentwicklung. Internationale Abkommen sind als Koordinierungsinstrument wichtig, da sie in der Entstehung Akteure aller Ebenen an einen Tisch bringen.
  • Städte und Kommunen sehen sich als Ideengeber und Planungsinstanzen und sollten bei der Entwicklung von Leitlinien von Beginn an einbezogen sein. Eine Charta für Stadtentwicklung sollte bestenfalls nicht nur eine Charta für Städte sein, sondern auch eine Charta der Städte – das heißt, von den Kommunen getragen werden.
  • Eine Agenda zur Stadtentwicklung kann immer nur so gut sein wie die Übersetzung der Strategie auf lokaler Ebene. Deshalb muss jede nationale Strategie mit lokalen Akteuren koordiniert werden und vor Ort in entsprechende Prozesse und Managementstrukturen übersetzt werden. Peer Learning Netzwerke und ähnliche Formen von Netzwerken können viel dazu beitragen, dass Kommunen Neues ausprobieren, sich austauschen und voneinander lernen.

Mitschnitt der Veranstaltung:

Präsentation:

Download der Präsentation

Zum Weiterlesen:

The New Urban Agenda. Leitlinie der Vereinten Nationen für Stadtentwicklung. Verfügbar auf Deutsch und in den sechs UN-Sprachen als Audio.

Neue Leipzig-Charta 2020. Leitdokument für gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung in Europa. Die Charta formuliert konkrete Handlungsdimensionen und Schlüsselprinzipien guter Stadtpolitik.

SDG-Portal. Portal für Kommunen zu den Zielen der Agenda 2030 für eine nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen. Hier bekommen Kommunen Informationsmaterial und können ihre eigene Entwicklung in Hinblick auf die Nachhaltigkeitsziele überprüfen und sich mit anderen Kommunen vergleichen.

Internationale Lern- und Austauschformate fördern die integrierte Stadtentwicklung. Beschreibung eines BMI-Projektes zur Förderung interkommunaler und internationaler Lernformate/Netzwerke, das von der GIZ umgesetzt wird. (2020) 

Agenda 2030 kommunal – Die Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele in Städten und Gemeinden. Briefing des Global Policy Forums. (2017)